Digital Patient Empowerment –
was ist das?

Digital Patient Empowerment

In einem anderen Artikel habe ich bereits über die zunehmende digitale Mündigkeit von Patienten berichtet. Nun sehen wir uns verschiedene Prozesse und Folgen dieser Entwicklung für den Gesundheitsmarkt an. Denn am Ende geht es in unserer Gesellschaft immer um Kommunikation. Egal ob Kommunikation nach unten, Kommunikation nach oben oder Kommunikation auf Augenhöhe.

Die neue Mündigkeit der Patienten, also das Konzept des Digital Patient Empowerment, sorgt vor allem für eine veränderte Struktur der Kommunikation zwischen Arzt und Patient.

Oliver Neumann, Gründer und CEO von CyberDoc, analysiert in diesem Artikel, was getan werden muss, damit alle davon profitieren. 

Der Elfenbeinturm ist eingestürzt

Anhand der Auswirkungen der Corona-Pandemie erkennt man sehr schön, wie gesellschaftsfähig Wissenschaft tatsächlich geworden ist. Niemals zuvor wurden so viele medizinische Diskurse in der Öffentlichkeit, aber auch im Privatleben, geführt wie in diesen turbulenten Zeiten. Aufgrund der Pandemie ist dies natürlich auch nicht verwunderlich. Jeder hat etwas zu dem Thema zu sagen, weil jeder direkt oder indirekt betroffen ist. Die verschiedenen Handlungen und auch “Nicht-Handlungen” können enorme gesellschaftliche Auswirkungen haben.

Sinnvolle Diskussionen, egal in welchem Bereich, können nur stattfinden, wenn man sich ausgiebig über die wissenschaftlichen Themengebiete informiert.

Dank des Internets ist dies tatsächlich möglich. Es sogar leichter und schneller als jemals zuvor. Durch diese Verfügbarkeit von Informationen ist theoretisch niemand mehr dem Wissen eines Mediziners hilflos “ausgeliefert”. Der Elfenbeinturm, in den sich viele Wissenschaftler zurückgezogen haben, wird nun für die Gesellschaft geöffnet. Mündige Patienten verändern die Kommunikation mit ihren Ärzten. 

 

Das Internet als wichtigstes Tool für “Digital Health Empowerment”

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war es so einfach fundierte Antworten auf medizinische Fragen zu erhalten. Hierbei handelt es sich zunächst vor allem um eine Masse an Informationen, die zur Verfügung gestellt werden. Die notwendige Analyse oder kritische Auseinandersetzung muss der Patienten selbst tätigen.

Je besser das Vorwissen der Patienten, desto leichter fällt ihnen die Bewertung neuer Informationen. Das bedeutet also, dass auch die wissenschaftliche Seite der Medizin transparenter werden muss. Nur so bekommen Menschen die Möglichkeit zu lernen und sich selbst weiter zu bilden. In Zukunft wird die wichtigste Fähigkeit sein, tatsächliches Wissen statt gefährlichem Halbwissen zu liefern. Letzteres verleitet bloß zu völlig falschen Schlussfolgerungen.

Wir von CyberDoc tun alles dafür, dass genau dieses Wissen an die Patienten vermittelt wird. 

Bewertung von Informationen entscheidend

Informationen haben ohne Bewertungen selten einen Mehrwert. Sie müssen erst in den passenden Kontext gesetzt werden. Zahlen, Daten und Fakten müssen richtig interpretiert werden.

Beispielsweise kann jeder relativ simpel die eigenen Schritte mit einer App tracken. Wenn dort am Ende des Tages nun 5.000 Schritte stehen, dann ist allein mit diesem Wissen noch nichts gewonnen. Es muss herausgefunden werden, wie viele Schritte täglich im Schnitt gut für den menschlichen Körper wären. 5.000 Schritte hören sich imposant an. Wenn man jedoch weiß, dass 8.000, oder besser noch 10.000, zurückgelegte Schritte gesundheitlich gut wären, sehen die 5.000 Schritte schon ganz anders aus. Die Auswirkungen auf die persönliche Gesundheit ist natürlich auch eine andere als wenn man mit den 5.000 Schritten auf Dauer zufrieden wäre. 

Je besser informiert Menschen sind, desto mehr können sie für ihre Gesundheit tun und für ihr persönliches Wohlergehen sorgen. 

Fitness und Gesundheit: eine Frage der Bequemlichkeit

Diese Überschrift kann für Irritation sorgen, doch genauso ist es. Die verschiedenen digitalen Helfer machen es uns einfacher, unsere Fitness und unsere Gesundheit im Auge zu behalten. Wer ein Smartphone in der Hosentasche hat, hat damit nicht nur einen ausgebildeten Mediziner zur Hand! Er hat gleichzeitig eine riesige Enzyklopädie und zahlreiche Apps. Diese können in fast allen Gesundheits- und Fitnessangelegenheiten unterstützen.

Verschiedene Apps können nicht nur die zurückgelegte Strecke berechnen, sondern auch andere Messdaten aufnehmen, wie zum Beispiel Schlafrhythmus, Herzschlag, etc. Diese Messdaten können nicht nur punktuell, sondern auch über einen längeren Zeitraum hinweg dokumentiert und mit dem Arzt des Vertrauens ausgewertet werden.

So wird der persönliche Gesundheitszustand transparenter und der Mediziner nimmt die Rolle des Coaches ein. Abgerundet wird das Ganze durch die Möglichkeit, die Daten mit anderen auf Sozialen Medien zu teilen. Lauf-Apps zum Beispiel ermöglichen mit einem Klick die erbrachte Leistung zu teilen. Etwas ursprünglich total Privates, kann nun sozialisiert werden und sichtbar gemacht werden.  

Veränderung der Kommunikationskultur

Wie bereits angeschnitten, verändert sich die Stellung zwischen Arzt und Patienten massiv durch die Prozesse des “Digital Patient Empowerment”.  Je mehr Wissen auf Seiten der Patienten vorhanden ist, desto bessere Fragen können dem Arzt auch gestellt werden. Je besser die medizinische Bildung einer Gesellschaft, desto mehr Ressourcen können aufgewendet werden, um die eigene Gesundheit zu erhalten.

Doch nicht nur die Rolle des Patienten ändert sich in diesem Kommunikationsprozess. Auch die des Arztes unterliegt diesem Wandel. Er wird ein Stück weit “entzaubert”. Das meine ich in diesem Kontext gar nicht negativ. Doch es findet zweifelsohne eine Veränderung des Status des “unantastbaren” Arztes statt. Die Grundbedingungen der Kommunikation verändern sich einfach. Auf einmal ist es dem Patienten auch möglich, Kritik an den Maßnahmen zu äußern. Und diese Kritik basiert auf fachlichem Wissen, nicht bloß auf Hörensagen.

Gleichzeitig ist klar, dass mit Wissen auch Verantwortung einhergeht. Die Eigenverantwortung des Patienten steigt und er kann diese fortan nicht mehr ablegen. Er ist mehr und mehr selbst für die Ergebnisse seiner Behandlung verantwortlich.

Fazit von Oliver Neumann

Wir haben es mit einer völlig neuen Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu tun. Diese findet zukünftig immer mehr auf Augenhöhe statt.

Digital Patient Empowerment sorgt dafür, dass Patienten sich mehr Wissen aneignen. Damit müssen sie gleichzeitig auch mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen. Der Arzt nimmt immer mehr die Rolle eines Coaches oder Partners ein. Diesem ist es ein Anliegen, seinen Patienten möglichst lange, möglichst gesund zu halten.

Die streng hierarchische und einseitige Kommunikation in der Beratung ist veraltet. Wir wechseln zu einem kooperativen und vertrauensvollen Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Beide arbeiten gemeinsam an der Wiederherstellung oder dem Erhaltung der Gesundheit. Mediziner und Patienten stellen ab sofort ein Team dar. Dieses Team hat die Pflicht, an der Realisierung des “Digital-Health-Empowerments” zu arbeiten, um eine Win-Win-Situation herzustellen.